Danke, Rodrigo!

mit einem Hundewelpen fing alles an…

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Alouette vom Seaside Ponyland, Briard-Hündin, Tochter von Indira Jesed CS, mit der diese Geschichte beginnt

wir haben 1994 in der ganzen Bundesrepublik nach Briards gesucht, ausgerechnet in der Pfalz wurden wir fündig und bekamen dort die kleine Hündin Indira angeboten, die wir auch kauften.

Alouette, 11 Jahre, am Strand von St. Peter Ording
Alouette, 11 Jahre, am Strand von St. Peter Ording, Tochter der Indira Jesed CS

Als wir Indira im Alter von 9 Wochen abholten, schauten wir die Landkarte genauer an und wir sahen, dass die Welpen ganz in der Nähe der Familie Schmitt, Gestüt Palatinate in Winnweiler, wohnten. Das war noch eine Zeit ohne Handys!  – wir haben eine Telefonzelle gesucht und gefunden und mein Mann rief Schmitts an und fragte, ob wir wohl – da wir gerade in der Nähe seien – das Gestüt besichtigen könnten. (Züchter lieben solche kurzfristigen Anrufe…). Besonders interessiere uns der Hengst Parc Romeo.  Der Hengst sei verkauft, aber wir könnten trotzdem vorbeikommen! Wir wurden herzlich aufgenommen und sahen tolle, beeindruckende Cobs. Uns stach der Hengst Palatinate Rodeo ins Auge, er war gerade im Jahr zuvor Supreme-Champion C/D auf der Bundesschau der IG Welsh geworden. Ob man den Hengst zum Deckeinsatz pachten könne? „Nein“, das sei nicht möglich, Rodeo gehörte Schmitts Tochter Kathrin Hansen, sie wolle ihn nicht aus der Hand geben.

Kurze Zeit später, am 19.3.1994, bekamen wir einen Brief von Frau Schmitt: „Ich biete Ihnen den Jährlingshengst Palatinate Rodrigo an. Rodrigo ist das beste Fohlen, das wir jemals gezüchtet haben …. Bundessiegerfohlen 1993…Endmaß ca 156 cm….Nun haben wir aber Mutter, Vollschwester und Vollbruder und wir sollten eigentlich vernünftig sein…“

Welsh Cob Hengstfohlen, Rappe
Palatinate Rodrigo als Fohlen auf der Bundesschau der IG Welsh

Und so hat die Geschichte von Rodrigo noch eine Vorgeschichte: die Anfänge unserer Welsh Cob Zucht. 1986 kauften wir den bestehenden Kinderferienreitbetrieb und im selben Jahr kam die erste Welsh Cob Stute zu uns – Santa Monika, aus dem Gestüt Bumann, Gettorf. 5jährig war sie und: durch dieses Pferd waren wir vom Welsh-Virus infiziert. Seitdem ist das Welsh-Jahrbuch jedes Jahr heiß ersehnt und wird ausgiebig studiert.

Damals waren wir auf der Suche nach einem Hengst für unsere Stute. Zwei Hengste faszinierten uns: Gwaliabach Cadwr, beheimatet bei der Familie Effler in Hessen und Parc Romeo, im Besitz der Familie Schmitt in Winnweiler. Mit Herrn Bumann, der damals noch leidenschaftlich Cob züchtete ( der Hengst Llanarth Fire Flyer wirkte lange Jahre auf dem Gestüt, von ihm stammte auch unsere Stute Santa Monika ab), verabredeten wir, zum Decken zu fahren. Und Herr Bumann fuhr nach Hessen und nahm Santa Monika mit, sie kam tragend wieder und wir bekamen 1992 ein Stutfohlen, Santa Barbara. Santa Barbara entwickelte sich zu einer sehr korrekten, schicken, kleinen Cob-Stute. Nun hatten wir schon zwei Cob-Stuten und wollten gerne einen Hengst pachten- das ist die Vorgeschichte zu Rodrigo!

Welsh Cob Hengstfohlen Palatinate Rodrigo Ponyland Norddeich
Palatinate Rodrigo Siegerfohlen auf der Bundesschau der IG Welsh

Mein Mann und ich saßen da und dachten nach. Wir wollten einen Hengst pachten und nicht ein Hengstfohlen aufziehen, aber so eine Gelegenheit bekommen wir vielleicht nie wieder….wir sahen uns an: „Wir kaufen ihn“.

Rodrigo zieht an die Nordsee

Wieder fuhren wir lange und weit in den Süden und Rodrigo trat die längste Fahrt seines Lebens an, von der Pfalz an die Nordsee. Der Jungspund wuchs – wie alle unsere Fohlen – auf unseren fetten Marschweiden in der Nordseeluft mit anderen Hengstfohlen und Wallachen auf. Er wurde 3jährig gekört und Körungssieger mit einem Stockmaß von 1,53 und 21er Röhrbein. (für die Nicht-Pferdeexperten: 1,53 ist groß und 21 er Röhrbein ist gewaltig gut). Mit 5 Jahren legte er als 4. von 12 Hengsten seine Leistungsprüfungen in Medingen mit der Note 7,6 ab.

Das ist alles nichts Ungewöhnliches – so oder ähnlich haben viele Hengste ihre Laufbahn eingeschlagen. Ungewöhnlich ist, dass ein Hengst so viele Jahre auf einer Deckstation wirkt und auch seine Nachzucht dort verbleiben kann, aufgezogen, ausgebildet und eingesetzt wird und wir so über viele Jahre Rodrigo-Fohlen beobachten, bewerten und einschätzen konnten.

Welsh Cob Hengst Rappe Palatinate Rodrigo Ponyland Norddeich
Palatinate Rodrigo, 4jährig unter Julie Winkler im Turniersport

13 Jahre war der Hengst bei uns im Deckeinsatz: von 1996 bis 2008. In dieser Zeit hat er 90 Stuten gedeckt. Er wurde neben seinem Zuchteinsatz stets geritten, ich habe ihn auch eingefahren, er ging bei den Ausritten vorneweg, er wurde bei den Reitabzeichenkursen eingesetzt, er lebte im Sommer auf der Weide mit tragenden Stuten, deckte seine eigenen Stuten auf der Weide und die meisten Gaststuten an der Hand. Im Winter wohnte er in der Box mit gäglichem Auslauf und mehrmaligem wöchentlichen Reiten. Unsere eigene Nachzucht von ihm haben wir zum Teil behalten, zu Santa Monika und Santa Barbara kamen u.a. noch Gwernfythan Pride und Abercippyn Princess Di. Die meisten der Rodrigo-Fohlen wurden bei der Fohlenregistrierung prämiert.

Und beim Züchten braucht man nicht nur einen langen Atem, man braucht auch das Quäntchen Glück!

Santa Barbara und Rodrigo, das war das Traumpaar vom Ponyland. Die beiden haben viele Sommer gemeinsam auf der Weide verbracht und sie sind der Grundstock der erfolgreichsten Pferde unserer Zucht: die beiden Fuchsstuten Seaside Sweet Lady, geboren 1999, und Seaside Starlet, geboren 2002. Wir haben beide Stuten als Fohlen unterschätzt, ihr Bewegungspotential zeigten sie erstmals bei der Fohlenregistrierung, später dann nahmen wir sie auf Zuchtschauen mit. Auf den Regionalschauen der IG Welsh waren sie, wenn nicht an erster, so dann bestimmt an zweiter Stelle ihrer Klasse. Unglaublich viel tiefer als die Mutterstute, mit einer ganz aktiven Hinterhand, korrekt, gangstark, da kamen von beiden Elternteilen gute Anlagen zusammen.

Welsh Cob Hengst Rappe und Nachzucht Ponyland Norddeich
Palatinate Rodrigo und seine Familie v. l. n. r. Palatinate Rodrigo und Santa Barbara und  Seaside Sweet Princess, Seaside Sweet Lady, Seaside Refur, Seaside Starlet, Ponyland Ronaldinho

Wir haben Rodrigo auf einigen wenigen Schauen gezeigt – er hat uns deutlich gemacht, dass er überhaupt keine Lust hat, sich an der Hand zu präsentieren. Das „Machogehabe“ lag ihm nicht, stets war er manierlich und brav an der Hand und hat nie eine Schau gewonnen. Dafür ist seine Nachzucht „zeigefreudig“ bzw. „lauffreudig“ an der Hand.

Am 9. Februar 2003 wurde Palatinate Rodrigo anlässlich der Althengstschau in Klasse 1 eingestuft und durfte somit den Titel „Elitehengst“ tragen. Er war ein „Stutenmacher“. Drei Töchter hatten den Titel „Staatsprämienstute“ verliehen bekommen. Die Nachzucht behalten zu können und die Entwicklung der Nachzucht von Rodrigo  mit verschiedenen Stuten über Jahre beobachten zu können, da ist bestimmt nahezu einmalig und ein großes Geschenk für uns als Züchter.

Palatinate Rodrigo auf dem Ponyland Norddeich
Palatinate Rodrigo, Welsh Cob Hengst auf der Winterweide 2002

Auch die Farbvererbung ist interessant zu beobachten: Rodrigo, Rappe, hat bei Rappstuten meist Rappfohlen gebracht, bei anderen Stuten setzte sich jedoch die Stute mit der Farbe durch – eine Pintostute eines Züchters bekam ein „astreines“ Pinto-Fohlen, eine Tinker-Stute ein schickes Tinkerfohlen und die gemeinsamen Kinder von Rodrigo und Santa Barbara sind Braune und Füchse geworden. Und 2013 hat  die Tochter des Rodrigo, die Fuchsstute Seaside Sweet Lady verpaart mit dem dunkelbraunen Welsh Cob Hengst H-S Hot Playboy, ein Rapp-Hengstfohlen gebracht!

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Winterlicher Ausritt: Gudrun Wieczorek auf Palatinate Rodrigo (rechts- noch Hengst), daneben Pia Wieczorek auf Seaside Sweet Princess und als Handpferd Seaside Starlet, beides Töchter des Rodrigo)

Das Ponyland bekommt einen neuen Hengst

Rodrigo wurde älter und wir brauchten einen neuen Hengst für seine Töchter, die Zucht sollte ja weitergehen. Wir fanden H-S Hot Playboy und kauften ihn als Absetzer von Herrn Spiekermann – quasi am Telefon, nach Abstammung – und Hot Playboy wuchs auf, wurde gekört und Körungssieger. Mit der Decksaison und den rossigen Stuten im Frühjahr kam der Hass in den Stall.

Die beiden Hengst fingen an, sich abgrundtief zu hassen und mein Mann mußte die Hengst-Boxen komplett neu bauen. Sein handwerkliches Können wurde auf die Probe gestellt! Beide Hengste kamen neben dem Reiten jeden Tag auf die Weide oder auf den Reitplatz oder in die Halle um sich frei zu bewegen, das Hinein- und Herausbringen in und aus dem Stall war jedoch immer mit viel Aufruhr in den Boxen verbunden. Rodrigo begann, unter dem jungen Rivalen zu leiden!

Auf der Weide fing er an, zu jagen: jede Ente mußte auffliegen, fuhr ein Fahrradfahrer an der Weide vorbei, stürmte der Hengst mit angelegten Ohren auf der Weide am Zaun mit – ein befremdlicher Anblick! Auch die Autos, die an der Weide vorbeifuhren, wurden immer verjagt – das klappte immer! sie fuhren weiter und waren weg!

Unser geliebter und hoch geschätzter Hengst war unglücklich. Den Hengst weiterzuverkaufen, kam für uns überhaupt nicht in Frage, er sollte sein ganzes Leben bei uns bleiben dürfen!

Da wir unseren „letzten“ Haflinger-Deckhengst im Alter von 10 Jahren kastriert haben, wußten wir, daß die Kastration eines älteren Deckhengstes möglich ist. Der Haflinger Normer brauchte ein Jahr, dann hatte er sein Hengstsein endgültig vergessen. So haben wir uns schweren Herzens entschlossen, Rodrigo im Alter von 17 Jahren kastrieren zu lassen. Unser Tierarzt ist fit und mutig und so haben wir den Hengst in der Reithalle kastriert. Rodrigo hatte es nach der Narkose sehr eilig, wieder aufzustehen. Die Heilung verlief relativ problemlos.

Welsh Cob Palatinate Rodrigo Wallach Ponyland Norddeich
Palatinate Rodrigo – Wallach – als geliebtes Ferienpferd

Über Winter durfte er dann schon in den großen Offenstall ziehen und bei den Haflinger Wallachen wohnen, im nächsten Jahr ging er dann mit Wallachen auf die Weide. Im Jahr darauf und seitdem geht er auch mit gemischten Gruppen der Reitpferde auf die Weide.

 

Rodrigo wurde wieder glücklich. Er ist zuhause geblieben. Seine Menschen um ihn herum sind gleich geblieben, der Stall, das Futter, die Weiden und die vielen anderen Pferde – alles ist so wie immer. Er hat immer wieder Stuten um sich, die ihn gerne mögen, er grast zwischen ihnen, ist ihr großer Beschützer, hat nach 2 Jahren nach der Kastration überhaupt keine Anstalten mehr gemacht, Stuten zu bespringen. Auch das hengsttypische Beißen anderer Pferde hat er eingestellt. Er wiehert nicht mehr, wenn er vom ausritt in der Gruppe auf den Hof kommt, er muß nicht mehr angeben!

Rodrigo 14.2.2010, alter Herr
Palatinate Rodrigo als Wallach im Offen-Laufstall- Paddock vom Ponyland Norddeich

Er hat ein ruhiges, schönes Leben. Und das Enten-Fahrrad und Autojagen? Als er das erste Mal nach der Kastration wieder auf die Weide durfte, kam ein Auto…. Rodrigo galoppierte an, verlangsamte- hielt an , es schien, als ob er sich fragte „Was mache ich da eigentlich?“ und er senkte den Kopf und graste weiter. Er hat dieses Verhalten sofort abgelegt. Seit der Kastration neigt er zum Dickwerden, das steht ihm gut. Aber er hat wenig von seiner Präsenz verloren.

 

Acht Kinder von Rodrigo gehen bei uns im Ferienbetrieb und sind inzwischen eine unerlässliche Stütze: Seaside Refur, geb. 1998, Seaside Sweet Lady, geboren 1999, Seaside Robbie W., geb. 2001, Seaside Starlet, geb. 2002, Seaside Prelude, geb. 2003, Seaside Pearl, geb. 2004, Ponyland Pelagia, geb. 2005, Ponyland Ronaldinho, geb. 2006. Sie tragen zum Erfolg des Ferienbetriebes bei – die meisten Kinder, die zu uns kommen, reiten erstmalig auf einem Welsh Pony und viele „Stammgäste“ haben wir unseren Welsh Cobs zu verdanken.

Wenn ich als Zuchtrichterin unsere Rodrigo-Nachzucht anschaue, dann würde ich mir bei einigen vielleicht mehr Aufrichtung wünschen. Das Fundament ist gut, die Korrektheit gut bis sehr gut, den Schritt konnte der Hengst bei etlichen Stuten verbesern, der Trab seiner Nachzucht rangiert von „genügend“ bis „hervorragend“, der Galopp ist nicht gerade die Königsdisziplin bei den Welsh Cobs, seine Kinder sind beim Anreiten jedoch von Anfang an in der Lage, zu galoppieren. Nie hat eines der vielen Rodrigo-Fohlen nach mir ausgeschlagen, nicht als Saugfohlen und auch nicht als Jungpferd und als erwachsenes Pferd schon gar nicht. Viellicht würde man sich die Rodrigo – Kinder manchmal etwas mutiger wünschen. Aber wichtig für uns ist: sie sind alle zu „gebrauchen“ und im Einsatz und bei der täglichen Arbeit unkompliziert.

Wenn ich die ganzen, schönen, klaren „Rodrigo“ Gesichter im Stall sehe, bin ich gerührt! Danke, Großer, für diese vielen Kinder, die alle mitarbeiten!

Rodrigo und Santa Barbara, das Traumpaar auf unserem Hof, beide haben wir aus der Zucht genommen, beide sind noch gesund und fit und arbeiten mit, wie wir alle hier. Santa Barbara, die brav die Kinder im Unterricht und auf den Ausritten trägt, bekommt nur noch kleine, leichte Reiter, sie ist mittlerweile 24 Jahre alt. Rodrigo, lange Jahre „mein“ Reitpferd, geht bei den Helfern bei den Ausritten vorneweg, geht brav im Ferienbetrieb – und ist bei den Reitlehrgängen eine ganz sichere „Bank“, wenn es um die Abzeichen der Klasse 5 und 4 geht, geht schön in der Dressur und zieht am Sprung an – da muß man eigentlich nur lenken und oben bleiben! Und ab und an buckelt der alte Herr auch noch vor Freude im Unterricht!

Wir wünschen uns, daß er noch lange leben darf und bei uns bleibt – zufrieden und ausgeglichen ist der ehemalige Elitehengst, der jetzt Wallach ist, auf jeden Fall.

Nun stehen auf dem Hof schon Enkel und Urenkel von Rodrigo und die Zuchtgeschichte vom Ponyland geht weiter – aber unser Rodrigo, unser erster Welsh-Cob Deckhengst, hat einen besonderen Platz in unser aller Herzen!

2 Gedanken zu „Danke, Rodrigo!“

  1. Was für eine wunderschöne Liebeserklärung für ein wunderschönes Pferd ♥

    Viele Grüße von seinem Sohn Seaside Romario, an den Rodrigo sein tolles Gebäude vererbt hat.
    Auch dieses Rodrigo Kind würde ich mir manchmal etwas mutiger wünschen 😉 , das macht er mi seiner Freundlichkeit aber wett!
    Ich hätte so gerne noch ein Pferd aus dieser Linie…..

  2. Aus dem Text liest man eine ehrliche Liebe für dieses Pferd! Mir gehört eine „Nichte“ von Rodrigo. Auch meine Palatinate Cariad ist ein absoluter Schatz und in der Charakterbeschreibung von Rodrigo finde ich sehr viele ihrer positiven Eigenschaften. Ich wünsche Ihnen noch viele schöne Momente mit diesem außergewöhnlichen Pferd!

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