Eigentlich ist auf dem Ponyland Norddeich jeden Tag Ostern ….

jeden Morgen um ungefähr genau 7,30 Uhr gehe ich in unsere Ställe, um die Tiere zu füttern. Jeden Morgen begrüße ich natürlich auch meine Tiere: „guten Morgen,ihr Pferde“….“guten Morgen, ihr Kühe“. Manchmal antworten die Tiere, meistens nicht, aber viele, viele Augen beobachten jeden meiner Schritte.

Im großen Stall gehe ich zuerst zur selbstfahrenden Futtermaschine und stelle sie an. Denn unsere Ponys werden automatisch gefüttert und das schon seit vielen, vielen Jahren. Die Maschine steht nachts auf Ruheposition bei den Laufställen 10 und 11, in diesen beiden Offenställen wohnen die Absetzer und Jungpferde, die Pferde, die am meisten Futter benötigen, denn sie sind ja im vollen Wachstum.

In der Jahreszeit, in der es morgens um 7,30 Uhr noch dunkel ist, mache ich zuallererst das Licht an. Auf der Futtermaschine, oben, in luftiger Höhe, sitzen unsere braunen Hühner (deutsches Zwerghuhn, braun)  und unten, bei den Heuballen, sitzen die weißen Hühner (Sussex). Die weißen Hühner sind dicker und runder als ihre braunen Gefährten und können nicht hoch fliegen. Aber auf dem Boden sitzen möchten sie in der Nacht auch nicht – wer weiß, wer da im Stall so langläuft in der Nacht…

sobald das Licht im Stall an ist, kräht der braune Hahn lauthals los. Und der weiße Hahn will sich da auch nicht lumpen lassen und kräht sofort dagegen an.  Deshalb begrüße ich die Hühner nicht extra, das würden sie im Wettkrähen gar nicht hören. ..

die "weißen" Hühner
drei Sussex Hennen auf dem Weg zur Reithalle

Die braunen Hühner flattern dann von ihrem luftigen, 2,50 hohen Sitz herunter auf den Stallboden und beginnen ihren Tag mit Futtersuche. Die weißen Hühner sind Langschläfer, sie bleiben einfach beim Heu hocken. Der Wagen fährt an – die Hühner bleiben hocken…der Wagen fährt an mir vorbei, ich schiebe das Heu an die Freßgitter …die Hühner bleiben immer noch hocken. Nur etwas verschlafen pickt der weiße Hahn lustlos nach mir, es paßt ihm nicht, daß ich das Heu schiebe. Manchmal ist mir das egal, manchmal schiebe ich ihn dann einfach vom Wagen…alter Langschläfer!

Und dann teilen sich die beiden Hühnerfraktionen auf – die weißen laufen zusammen herum und die braunen auch – aber sie vermischen sich nie.

Neulich kam im NDR eine Sendung – ein Bio-Bauer aus der Nachbarschaft suchte eine Hofnachfolgerin – der NDR hat die junge Frau, die noch in Nürtingen Landwirtschaft studiert (da habe ich auch Landwirtschaft studiert…vor vielen, vielen Jahren) , jedenfalls hat der Sender die junge Frau begleitet auf ihrer „Hofwoche“. Und am Telefon sagte sie dann zu ihrer Mutter „das ist ein reiner Produktionsbetrieb, da gibt es nicht mal einen Hofhund“.

Ein Hof ohne Tiere wirkt kalt und leer. Auf einen lebendigen Hof gehören auch Hühner! Und unsere Hühner bringen mich manchmal zum Lachen und oft zum Schmunzeln.

Letzte Woche haben Pia und ich vorne den „kleinen“ Stall ausgemistet. Pia fuhr den Weidemann – mit dem großen Radlader kommt man nicht in den Stall und parallel dazu habe ich die 5 Boxen, die wir noch haben, per Hand ausgemistet. In der letzten Box hat nun ein braunes Huhn beschlossen, ein Ei zu legen. Ein Ei legen ist eine ernste Angelegenheit für ein Huhn. Das passiert nicht mal so eben! Zuerst muß der passende Platz gefunden werden. Ungestört, weich, behaglich. Dann wird das Nest gebaut (wenn man denn solche freilaufenden Hühner ohne irgendwelche Zwänge hat wie bei uns auf dem Ponyland) . Es gibt nämlich keine Legenester. Zum einen, weil ich nicht weiß, wo ich sie anbringen soll, zum anderen, weil unsere Hühner Anarchisten sind und alles gerade nicht machen, was sie sollen – oder andersherum.

Gut, ich habe die Box gemistet und sah das Huhn, schon in Eierlegenot, in der Box herumlaufen und den idealen Platz für das Ei suchen. Und dann saß es. Da darf man ja nicht stören – Boxenmisten hin oder her. Ich habe mich dann samt meiner Mistgabel dezent entfernt – auf dem Ponyland gibt es an jeder Ecke Arbeit, kann ich doch, aus Rücksichtnahme, für eine Viertelstunde, woanders arbeiten….

nach einer Viertelstunde war das Ei aber immer noch nicht gelegt. … macht nichts, liebes Huhn, laß Dir Zeit…nach einer Stunde dann war das Huhn wieder unterwegs auf dem Hof und ich habe das Ei gesucht. Da war zwar ein schönes, weiches Heu-Legenest, aber kein Ei. Na, da war ich dann doch ein bißchen enttäuscht – so viel Rücksichtnahme und dann kein Ei! Aber in der hinteren Ecke der Box fand ich es dann, das kostbare „Ei – chen“ und noch ganz warm. Die Henne hatte sich umentschieden – das Beste gerade gut genug. Und ich habe das Ei in Sicherheit gebracht und später mit in den Kühlschrank genommen.

Und wegen unserer Hühner ist eigentlich jeden Tag Ostern, Eiersuche, nur oft ohne Eier. Denn die Hühner sind erfinderisch. Noch besser, als jeden Tag erneut ein Ei an einen Platz legen ist doch: ein ganzes Gelege legen, schön versteckt, und schwupps, sich draufsetzen und fleißig brüten und dann auf einmal mit einer ganzen Schar kleiner gelber Küken angelaufen kommen! Das wollen wir aber nicht – die Überlebenschancen für die Kleinen sind nicht  groß auf dem Hof und außerdem wollen wir Eier und keine Küken.

Noch bevor also die Hühner auf solche Brüte-Ideen kommen, sammeln wir Eier. Jedes Huhn hat seine eigene Eierlege-Zeit. Das eine Huhn legt gerne vormittags, das andere nachmittags, das dritte abends.

schönes Hühnerleben auf dem Ponyland Norddeich - braunes Zwerghuhn
schönes Hühnerleben auf dem Ponyland Norddeich

Außer mir sind hier noch andere Eiersammler unterwegs – unsere beiden Islandhunde, Dottla von der Kinnwies und Aenna vom Seaside Ponyland, Mutter und Tochter. Und die wirklich guten Sachen werden auch sicher weitergegeben. Ab und zu gibts  ins frische Hundefutter auch mal ein Ei, das schmeckt dann ja nochmal so gut. Aber ein frisches Ei zwischendurch, das ist ja die Krönung….dafür kann man dann den ganzen Stall entlangschnüffeln. Und wenn dann Dottla ein Ei findet, nimmt sie es ganz vorsichtig ins Maul, trägt es ein Stückchen – und läßt es fallen. Oh – aus Versehen – ist das Ei kaputt – das wird dann sogleich sehr penibel aufgeschleckt.  Aenna sieht interessiert zu und hat sofort kapiert und macht es ihrer Mutter nach – nur, daß sie das Ei noch ein ganzes Stück weiter weg trägt, um ungestört zu sein. Ich muß mir das Lachen verbeißen, wenn ich das sehe, eine Chance auf das Ei habe ich nur, wenn die Hunde es noch nicht im Maul haben – denn, wenn ich sie erwische mit Ei im Maul, dann lassen sie es sowieso fallen – ertappt . Aber das Ei ist dann halt kaputt… Sind die beiden noch in der Suchphase und sehe ich das Ei schneller als die Hunde, reicht es völlig zu sagen „Dottla, Aenna, nichts da, kein Ei“ und die beiden laufen an dem Ei vorbei, als ob es da gar nicht läge. „Wir doch nicht, wir niemals…“ allerdings ist auf diese Unschuldsmine auch kein Verlaß. Vergesse ich danach, das Ei auf dem Querbalken in großer Höhe abzulegen, vergessen die Hunde das Ei bestimmt nicht und schauen halt später nochmals an dem Platz nach. Es könnte da ja noch liegen und meine Augen sind dann gerade nicht bei den Hunden…

Die Hühner halten sich im Frühjahr , Sommer und Herbst sehr gerne im Garten auf. Da kann man Hühner beobachten und sehen, was ein Huhn gerne macht. Im Blumenbeet liegen, sich eine richtige Mulde scharren und ein ausgiebiges Erdbad nehmen, wenn die Erde richtig trocken ist, ist  besonders schön. Das Beet ist dann nicht mehr besonders schön. Man kann nicht alles haben: schöne Beete und glückliche Hühner….dann wird der ganze Garten abgegangen mit den kleinen, nackten Füßen…und mit schiefgelegtem Kopf überall etwas Leckeres erspäht. Und die Hühner wissen, wo unser Hof zu Ende ist. Woher wissen das diese kleinen Tiere mit ihrem kleinen Kopf und sicherlich auch kleinen Gehirn?

Sie laufen durch unseren Garten, sie laufen vorne über den Hof, wo bei der An- und Abreise der Ferienkinder die ganzen Autos parken, sie laufen um die Teiche herum und sowieso durch alle Ställe, sie laufen über den Reitplatz und auf dem Fahrplatz herum, sie schauen in der Reithalle nach dem Rechten und – wenn die Tür zum Flur offen ist, schauen sie auch mal ins Haus…aber sie gehen nicht auf die Straße und sie gehen nicht zum Nachbar Peter. Und darüber bin ich froh. Denn Peter ist ein Junggeselle und mag es nicht, wenn unsere Hunde über sein Grundstück laufen, auch die Hühner mag er nicht. Ganz besonders mag er aber auch nicht, wenn mal Ponys oder Kühe ausreißen. Deshalb hat er sich schon weitgehend eingezäunt, zu unserem Garten jedoch ist nur ein Wall und dieser Wall ist ja nicht ein wirkliches Hindernis für ein Huhn! Unsere Hühner wissen, wo der Hof anfängt und wo er aufhört und betrachten ihn als „ihren“ Hof. Das ist doch auch nett von ihnen!

Im Winter sind die Hühner nicht gerne und nicht lange draußen,

auf dem Strohballen Ponyland Norddeich
im Winter rückt man auch mal zusammen

da halten sie sich überwiegend in den Ställen  auf und sie verlangen auch, daß ich sie füttere. Zwar liegen immer wieder Haferkörner herum, aber immer nur Haferkörner….also muß ich an die kleine grüne Tonne und das teure , kostbare Bio-Hühnerfutter von Gut Rosenkrantz ausgeben. Ja, und dann kann man die Hühner nicht miteinander füttern. Denn sie mögen sich nicht, die braunen und die weißen Hühner. Ich habe es ausprobiert – es müssen mindestens 10, besser 15 Meter zwischen den beiden Futterstellen liegen, sonst beanspruchen die Sussex (die Weißen) beide Futterstellen, denn sie sind ranghöher als die Braunen. Und da nützt auch das ganze Fliegen – Können den Braunen nichts!

Wenn man also in den Stall geht, beobachten einen auch die Hühneraugen und wenn ich dann endlich das ersehnte „kommt Hühner, kommt, putt, putt, putt“ rufe, dann kommen sie von allen Seiten angewackelt, die Weißen schwanken dann leicht hin und her, die leichteren, Braunen, laufen schnell und geradlinig zu mir.  Und der erste ist immer der Hahn. Das ist auch seine Aufgabe: Futter zu finden für die Damen und das lauthals zu verkünden, indem er sie ruft.

Der Hahn hat drei Aufgaben: seine Damen beschützen bzw. vor Gefahr warnen, ihnen bei der Futtersuche zu helfen und natürlich, sie zu befruchten, um die Nachkommen zu gewährleisten. Und Eier, die befruchtet sind, halten viel länger frisch als unbefruchtete Eier.

auf dem Ponyland Norddeich
Sussex-Hahn in voller Sommrpracht

Wir haben sie alle gern, unsere Hühner und wir freuen uns, wenn unsere Gäste sich auch über die Hühner freuen und sie beobachten und fotografieren. Hühner gehören für mich einfach auf den Hof. Gudrun Wieczorek am 29. Februar 2016.

2 Gedanken zu „Eigentlich ist auf dem Ponyland Norddeich jeden Tag Ostern ….“

  1. Sehr schön wirklich. Wir selbst halten, neben den Katzen und Hunden, auch Hühner auf unserem Grundstück. Man glaubt gar nicht, wie zutraulich und menschenbezogen Hühner sein können.

    LG

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