Solche Ponys können wir nicht kaufen….

 

Welsh A - Ponyland- Gudrun Wieczorek Ponyland Curly Sue Ponyland Norddeich
Gudrun Wieczorek mit Ponyland Curly Sue, 1 Tag alt – Welsh A Stutfohlen aus der Victoria´s Cara von York Frühjahr 2017

deshalb züchten wir sie selbst!

 

Als wir 1986 den bestehenden  Reiterferienhof gekauft hatten und hier eingezogen sind, gab es 20 Ponys, die wir mitgekauft haben. Zu diesen Ponys haben wir seitenlange Erklärungen bekommen: jedes Pony hatte „seine“ Macke, 5 Ponys ließen sich gar nicht einfangen und genossen deshalb meistens ihr Leben in Freiheit im Sommer…andere Ponys ließen sich nicht anbinden, bei einigen war das Hufe geben schwierig…. ein Pony z.B. ging nur Linksgalopp – ganz praktisch, wenn man auf der linken Hand galoppieren möchte, aber nicht so gut, da man ja auch mal rechte Hand reiten will …

mein Mann und ich haben uns angesehen und beschlossen: den Zettel schmeißen wir weg! So sind wir unbelastet an die Ponys herangegangen und haben natürlich bald gesehen, wie der Hase läuft! Aber wir haben von Anfang an beschlossen, daß wir solche Sperenzien nicht dulden werden! Ponys, die sich nicht einfangen lassen, haben wir so lange getrieben, bis sie stehenblieben!  Wir haben mit Tricks gearbeitet, alle Ponys, die sich einfangen ließen, von der Weide geholt und dann die Ponys „eingekesselt“… manchmal hat das über 1 h gedauert  – gefangen haben wir sie immer!

Und wir mußten viel Arbeit investieren, um die Ponys konsequent umzuerziehen.

Ponyland Norddeich Welsh Pony Zucht Jungstuten Aufzucht Reiterferien für Kinder an der Nordsee St. Peter Ording
Jungstuten vom Ponyland Norddeich auf der Sommerweide

Bei manchen ist uns das nicht ganz gelungen….

 

Wir haben nach ein paar Jahren beschlossen, daß jedes Kind „sein“ Pony haben sollte auf dem Ferienhof. Deshalb sind wir dann viel in Deutschland herumgefahren, um Ponys zu kaufen….deshalb weiß ich, wovon ich spreche, wenn ich vom Ponykaufen berichte.

1986 ist das erste Ponyfohlen auf unserem Betrieb geboren

und in all den Jahren gab es nur ein einziges Jahr, in dem wir keine Fohlen hatten. Ein Fohlen wird geboren, es wird mindestens 3 Jahre aufgezogen, eingeritten und kann dann irgendwann im Betrieb mitgehen , eine lange Zeit. Wenn wir unseren Steuerberater fragen würden, würde er sofort sagen: die eigene Zucht und Aufzucht von Ponys ist viel zu teuer! Wir fragen ihn aber nicht! Immer wieder gibt es „Schnäppchenponys“, die angeboten werden, sogar geschenkt würden wir Ponys bekommen für unseren Betrieb.
Wenn wir ernsthaft Gewinnoptimierung machen wollten auf dem Ponyland Norddeich, dann würden wir sofort mit dem Züchten aufhören. Wollen wir aber nicht – wir wollen glückliche Kinder und zufriedene Ponys. Und wir wollen keine Ponys mit „Altlasten“ haben. Denn unsere Ansprüche an unsere vierbeinigen Mitarbeiter sind enorm hoch.

 

Ponyland Norddeich - Reiterferien für Kinder - Strandritt in St. Peter Ording - Welsh Pony Zucht Welsh A
kleiner Sausewind – Welsh A Fohlen vom Ponyland Norddeich – unbeschwertes Aufwachsen auf großen Weiden und immer mit viel Pferdegesellschaft

Spielen wir das doch mal in Gedanken durch: auf dem Ponyland gibt es 90 Ponys- diese werden jedes Jahr 90 Jahre älter. Im Schnitt lebt ein Pony ca  20 Jahre bei uns (im Bundesdurchschnitt wird in Deutschland ein Pferd/Pony 7 Jahre alt!!!). Also benötigen wir im Jahr mindestens 4 Ponys, um den Bestand zu halten.

Wir müßten also im Jahr 4 Ponys dazukaufen: Anzeigen lesen, hinfahren, ausprobieren, Vorgeschichte erfragen…um ein Pony zu kaufen, schaut man realistisch mindestens 4 Ponys an….wären schon 16 Ponybesichtigungen  – mit Anfahrt, mit Besichtigungszeit – ach, was würden da für Stunden zusammenkommen!

Ponyland Norddeich Reiterferien an der Nordsee Reiten für Kinder Welsh Pony Zucht Welsh A Fohlenaufzucht
Ponyland Norddeich – Stuten mit Fohlen auf der Weide – so fängt ein glückliches Ponyleben an

Und dann hat jedes Pony seine Geschichte – das erstaunt mich immer wieder! Manche Ponys lassen sich nicht verladen.  Viele Ponys haben kein gutes Sozialverhalten, weil sie nicht in ausreichend großen Herden aufwachsen. Etliche Ponys haben eine mangelhafte Aufzucht: zu wenig Futter oder zu viel, kein Fohlenstarter nach dem Absetzen, kein Mineralfutter, zu wenig entwurmt (oder auch zu viel – das haben wir auch erlebt…) nicht regelmäßig beim Schmied gewesen – diese Sachen zeigen sich erst nach Jahren – mit schlechter Hufstellung, mit mangelnden Abwehrkräften bei Krankheiten, mit Lahmheiten bei Belastungen.

Die meisten Ponys haben schon mehrere Besitzer gehabt, etliche Stallwechsel erlebt und verschiedene Erziehungsmethoden, die an ihnen „ausprobiert“ wurden. Es gibt Ponys, die nicht verkehrssicher sind und Ponys, die man nicht in der Gruppe galoppieren kann – oder wenn doch – dann nur hinten oder nur vorne…  ganz zu schweigen von den wirklichen Unarten wie Steigen, Beißen und Schlagen….die nicht unbedingt beim ersten Besichtigungstermin zu sehen sind, sich aber in Streßsituationen zeigen können.  Die Verkäufer möchten natürlich verkaufen und erzählen dann nicht jede Eigenart – so ist mein Mann auch schon beim Probereiten in hohem Bogen von einem Haflinger Wallach geflogen – ich hatte ihn zuerst geritten und mich sehr unwohl gefühlt, da wollte mein Mann ihn auch ausprobieren und der Wallach hat einen Haken geschlagen und ist zum Tor…Reiter und Pferd haben sich getrennt und! wie immer!! das hat das Pferd nicht zum ersten Mal gemacht – der Besitzer wollte wohl mal sehen, wie wir reiten können und hat uns nicht vorgewarnt.

Ausritt am Strand vom St. Peter Ording Ponyland Norddeich Strandritt Welsh Ponys Welsh Cobs
Am Strand von St. Peter Ording – die Fohlen kennen schon Halfter, sie kennen das Verladen, die Ausritte, die Reitgruppe, den Strand, das Wasser: hier zwei Welsh Cob Fohlen – vorne das Welsh Cob Stutfohlen Ponyland Sally von Ponyland Hot Spot aus der Merit Simply Nice

Wir haben jedes Jahr Fohlen gehabt und wir haben einen Teil der Fohlen verkauft und einen Teil selbst aufgezogen. Anfangs haben wir Haflinger und Shettlandponys gezüchtet. Unser stärkstes Fohlenjahr war 1997. Wir haben 15 Fohlen erwartet und 15 Fohlen bekommen. Davon 14 Hengstfohlen und 1 Stutfohlen! All diese Hengstfohlen – wir hätten gerne auch Stutfohlen gehabt, für die Weiterzucht. So haben wir fast alle Fohlen behalten und alle sind nachher sehr nette Wallache geworden, 5 Shettywallache, 13 Haflingerwallache und 1 Welsh Cob Wallach und eine Welsh Cob Stute.

Und wir haben gesehen, welch nette Ponys unsere selbstgezogenen Ponys doch sind: sie lernen alles, was sie bei uns brauchen, quasi nebenbei! Sie laufen mit der Mama bei den Ausritten mit (nicht bei allen, aber ab und zu), dort lernen sie verschiedene Untergründe kennen, Straßen, Feldwege, Wiesenwege, sie begegnen Radfahrern, Fußgängern, Autos, Treckern und LKW, sie lernen die Gräben kennen, die unsere Landschaft durchziehen (wenn wir die Gräben nicht hätten, hätten wir hier „landunter“, denn wir liegen ja, 3 km von der Nordsee entfernt, auf Meereshöhe – die Gräben leiten das Wasser zur Nordsee und dort wird es bei Ebbe ins Meer gepumpt). Jedes Fohlen springt einmal in den Graben, der ist im Sommer mit Schilf bewachsen und als solches nicht leicht zu erkennen für ein Fohlen. Und jedes Fohlen springt dann erschrocken wieder hinaus! Passiert ja nix. Aber ein zweites Mal springt das Fohlchen nicht in den Graben und merkt sich das für den Rest des Lebens. Das Fohlen geht in der Gruppe im Schritt, Trab und Galopp, es bekommt gleich ein Training, es lernt die Reitwege und die ganze Umgebung kennen. Stute und Fohlen werden zugefüttert nach dem Reiten und wenn das Fohlen abgesetzt wird, dann frißt es schon gut Kraftfutter und es hat eine sanfte Umstellung. Der Stall bleibt gleich, das Futter bleibt gleich, lediglich die Muttermilch gibt’s halt nicht mehr.

 

 

Ponyland Norddeich Reiterferien an der Nordsee Strandritt St. Peter Ording Welsh Pony Zucht Welsh Cob Fohlen am Strand
Reitgruppe vom Ponyland Norddeich am Strand von St. Peter Ording – die Fohlen laufen mit – sie lernen entspannt eine tolle Welt kennen!

Einmal in der Woche in der Ferienzeit darf jedes Kind mit „seinem“ Pony am Strandritt in St. Peter Ording teilnehmen. Wir haben im Jahr 3 – 4 Fohlen und wenn das Pony ein Fohlen hat, dann geht das Fohlen mit an den Strand! Die Zeit ohne Mama wäre zu lange, da die Kinder über 4 h unterwegs sind mit Hin – und Rückfahrt , Auf – und Absatteln und Verladen und natürlich dem herrlichen Strandritt. Und da lernen die Fohlen gleich, aufzusteigen. Mit Mama entweder auf den LKW oder einen der beiden Hänger. Anfangs schiebt man das Fohlen, beim zweiten und dritten Mal steigen die Fohlen schon auf wie selbstverständlich! Und dann am Strand – auf dem Sand – durch die flachen Priele, glitzerndes Wasser, verschiedenartiger Sand, mal tief, mal gewellt, mal trocken, die Möwen kreischen, die Ponys schnauben – die Fohlchen laufen mit. Da wird nicht gezögert, ob man mit ins Wasser geht – die Stute geht vor, das Fohlen geht hinterher. Auch eine positive Erfahrung, die das Pony abspeichert für sein weiteres Leben. Wir reiten ganz ruhig am Strand, mindestens eine halbe Stunde Schritt am Anfang, alle sollen entspannt sein – erst dann wird nach dem Nachgurten getrabt und gegebenenfalls (wenn die Kinder es können) galoppiert. Diese Ruhe überträgt sich auch auf die Fohlen!

 

Es wächst auf in einer Gruppe ungefähr gleichaltriger junger Pferde. Regelmäßig kommt der Schmied. 3 x im Jahr entwurmen wir die Fohlen. Sie kennen das Halfter, sie kennen das Angebundensein, sie kennen das Abgewaschenwerden (immer nach dem Strandritt – um Sand und Salz aus dem Fell zu waschen). Sie kennen unsere Futtermaschine und vor allem: sie kennen uns! Unsere Stimme ist bei ihnen, wenn sie das Licht der Welt erblicken (und wenn sie die Welt verlassen, sind wir auch dabei und beruhigen und trösten sie).

Sie sind nun 1jährig und werden im Frühjahr, nach Schmied und Wurmkur, auf die Sommerweide gefahren. Da ist das erste Verladen ohne Mama noch ein bißchen aufregend, aber mit gutem Bioland-Hafer geht man dann doch auf den Hänger. Und die Belohnung nach der Hängerfahrt: monatelange Freiheit auf der Sommerweide. Im Herbst kommen wir wieder mit dem Hänger und dann geht das Einsteigen schon viel leichter. Der Winter von 1 auf 2 Jahre – da ist ein sensationelles Größen- und Breitenwachstum bei den Fohlen. Nun sind sie schon richtige Jungpferde. Aber immer noch können sie ihre Jugend genießen – in der Offenstallanlage den Winter mit den Freunden verbringen, als 2jährige ist dann das Verladen überhaupt kein Problem mehr und als 2 1/2jährige benehmen sie sich schon super!

Mit drei Jahren fangen wir bei den meisten Ponys mit leichter Arbeit an. Das beginnt im Januar/Februar. Wir haben „nur“ die Stallarbeit und keine Ferienkinder und haben eine herrliche Ruhe auf dem Hof. Die Pferde werden maximal 3 x die Woche 20 Minuten gearbeitet – mindestens ebenso wichtig ist der „Sozialkontakt“, das Führen, das Anbinden und Angebundensein, das Putzen, das Hufegeben kennen sie schon vom Schmied aber 3 x in der Woche Hufe geben wird dann schon zur Routine. Sie werden an die Trense und das Gebiß gewöhnt und an den Sattel, sie werden longiert, wir gehen mit ihnen spazieren, sie machen Freispringen, aber alles klein – klein und immer mit Belohnung und Belobigung. Nach kurzer Zeit drängeln sich die Jungpferde am Eingang, sie wollen alle arbeiten, schwitzen, gelobt werden, etwas erleben, extra Futter bekommen.  Im Frühjahr kommen sie dann wieder auf die Weide. Vielversprechende, gut entwickelte junge Stuten behalten wir noch zuhause, sie werden weiter gearbeitet und gehen zur Stuteneintragung. Aber irgendwann sind sie wieder vereint auf der Sommerweide. Und wenn sie dann 3 1/2 oder 4 Jahre alt sind, dann werden sie wieder ein bißchen geritten und weiter ausgebildet.  In der Regel gehen die Ponys 5jährig im Ferienbetrieb mit, sie sind von Anfang an von uns begleitet und ausgebildet und wir haben immer wieder tolle junge Mädchen, die inzwischen unter Anleitung von Pia die Pferde einreiten und weiter reiten.

Die Ponys lernen viel in den Pausen. Oft sind Dreijährige mental nicht weit genug entwickelt und viele Widersetzlichkeit beim Reiten entspringt einfach Überforderung. Um das Problem gar nicht zu haben, stellen wir die Ponys dann noch ein Jahr auf die Weide! Das ist teuer – noch ein Jahr Aufzucht. Aber wir rechnen anders: wir wollen die Ponys gerne 15 – 20 Jahre als brave, gesunde, fitte Ponys einsetzen, da kommt es auf ein Jahr auch nicht mehr an!

Was für ein Glücksgefühl ist es, wenn dann die eigenen, selbst gezüchteten, aufgezogenen und ausgebildeten Ponys unter den Kindern brav gehen! Und mittlerweile, nach 32 Sommern auf dem Ponyland Norddeich, da haben wir ganze Gruppen von Geschwistern, Halbgeschwistern, Familien – alle arbeiten.

Ponys, die uns Schwierigkeiten bereiten beim Einreiten, weil sie zur Arbeit einfach nicht „ja“ sagen – diese Ponys verkaufen wir nicht, wir bilden sie weiter aus, manchmal Jahr um Jahr und irgendwann werden sie im Ferienbetrieb brav mitgehen. Aber Hengste werden kastriert und Stuten werden dann nicht zur Zucht eingesetzt! Von wegen: die Stute kann man nicht reiten, sie geht in die Zucht! Grundfalsch!!! Weil die Stute rittig ist und brav – deshalb darf sie ab und zu auch ein Fohlen bei uns bekommen!

1991 habe ich meinen Meisterkurs als Pferdewirtin Zucht und Haltung gemacht (das Jahr vergesse ich nie, denn da ist unser jüngster Sohn Götz geboren und das Baby hatte ich mit, mitsamt „Kinderfrau“ und in den Pausen bin ich dann zum Stillen zu Klein-Götz gegangen). Da haben wir auch die Betriebskosten durchgerechnet und die Lehrgangsleiterin hat gesagt: es gibt in ganz Deutschland keinen (Pony-)Betrieb, der nur mit der Zucht Geld verdient! Die Pferde und Ponys müssen „veredelt“ werden, also aufgezogen, ausgebildet, eventuell turniervorgestellt werden… sonst rechnet sich das nicht. Mit diesem Wissen bin ich nach Hause gefahren, mein Mann und ich haben lange gesprochen und konsequent die Zucht als „Nebenerwerbsquelle“ neben dem Reiterferienbetrieb und den Klassenreisen aus unserem Betriebskonzept gestrichen. Wir haben die Haflinger-Hengste kastriert, die Stuten nicht mehr gedeckt, ebenso bei den Shettland-Ponys. Die Welsh Pony Zucht haben wir- in kleinem Rahmen – weiterbetrieben.  Uns macht das Züchten Spaß und die Aufzucht.  Mittlerweile züchten wir erfolgreich Welsh A, Welsh B, Welsh C und Welsh D und ich glaube, es gibt in ganz Deutschland keinen anderen Reitbetrieb, wo man so viele Welsh Ponys unter dem Sattel und im Einsatz hat.

Das Verkaufen macht uns mittlerweile überhaupt keinen Spaß mehr! Alle sollen glücklich werden: die neuen Besitzer, das Pony und auch wir.

Unsere Ponys sind so brav und lieb. Wir sind aber auch unerbittlich konsequent: wenn wir sehen, daß ein Pony die Hufe beim Auskratzen nicht mehr gibt, sind wir  oder unsere Helfer  und Auszubildenden da und nehmen den Huf selbst hoch. Hat das Pony Schmerzen, ist das Pony alt (da muß man vorsichtiger oder nicht so hoch heben – ich werde selbst älter und weiß selbst, wie die Beweglichkeit weniger wird) oder ist das Pony einfach frech?  Die Hufe werden gegeben, auf jeden Fall – Hufeauskratzen ist wichtig – die Kinder lernen – wie es richtig geht.

Auch wir haben Ponys, die sich schlecht einfangen lassen. Obwohl sie bei uns geboren sind, obwohl wir sie immer an der Hand hatten.  Das ist bei manchen Ponys einfach im genetischen Erbe. Sie haben aber keine Chance. Ha! Wir bekommen sie immer und wenn uns einer der Jungs (wir haben da momentan so drei Experten – Welsh Cob Wallache) so ärgert, dann muß er halt im Sommer immer mal wieder in der Offenstallanlage die Nacht verbringen statt auf der Weide! irgendwann werden sie älter und sie legen auch dieses Verhalten ab.

Ausschlagen nach Menschen, das tut überhaupt kein Pferd bei uns – schon den Fohlen ist klar, wer der Chef ist.  Wichtig ist, daß der Mensch, bzw. das Kind, das Pferd anspricht, bevor er sich nähert. Denn untereinander sind Ponys nicht zimperlich. Ist ein Mensch da, wissen sie genau, daß sie sich benehmen müssen!

Und beißen – das ist wirklich widerlich – das machen die Ponys auch nicht – wir ermahnen die Kinder auch, nicht die Taschen mit Lekkerli vollzustopfen, denn dann betteln die Ponys schon mal oder fangen an, an der Jacke zu knabbern! Keine Lekkerli und die Ponys hören damit auf.

Es gibt immer einige Kinder, die zu uns kommen, die richtiggehend Angst haben vor Ponys und Pferden. Sie haben alle schlechte Erfahrungen auf Reiterhöfen mit wirklich garstigen Pferden gemacht! Sie wollen trotzdem gerne reiten und lieben Pferde.  Diese Kinder müssen und dürfen lernen, daß Ponys auch lieb, vertrauensvoll zum Menschen und  entspannt im Umgang und beim Reiten sind.

Und das funktioniert halt bei uns. Wir haben in all den intensiven Pferdejahren so viele Pferdebücher gelesen, so viele Seminare besucht, so viele eigene Erfahrungen mit unseren Pferden gemacht.

Ein neuer Stall, neue Besitzer, neue Pferdefreunde, neues Futter, anderer Umgang – das verunsichert Ponys und Pferde. Kommen die Ponys dann in wirklich gute und kundige Pferdehände? Oder werden die Ponys zum „Wanderpokal“, obwohl eine Lebensstellung versprochen wurde?

Das ist auch der Grund, warum wir Ponys, die wir einmal verkauft haben, in der Regel nicht mehr zurücknehmen. Wir wissen nicht, welche „Macken“ sie entwickelt haben und ob sie noch weiterhin Vertrauen zum Menschen haben oder nicht. Das ist uns für unsere Ferienkinder einfach zu gefährlich!

Unser Weg wird weiter sein – wir züchten, wir ziehen sie auf, wir bilden sie aus – das dauert lange, das ist teuer – aber solche Ponys können wir sonst nirgendwo kaufen!

Norddeich, 26. September 2017

Gudrun Wieczorek, Senior-Chefin beim Ponyland Norddeich

Dipl. Agr. Ing (FH), Pferdewirtschaftsmeisterin Zucht und Haltung, Trainer B Dressur

 

 

5 Gedanken zu „Solche Ponys können wir nicht kaufen….“

  1. Liebe Gudrun.
    Super geschrieben. Erst gestern haben wir uns ja über das Thema unterhalten und ausgetauscht. So soll es sein wie du beschreibst und so ist es auf unserem vergleichsweise kleinen Gestüt St. Georgens auch.
    Allerdings verkaufen wir unsere Absetzer. Die sind meist schon GHP fertig, weil sie mit der Mama überall mit hingehen. (Übrigens eine absolute Unsitte wie ich finde die kleinen Fohlen wegzusperren wenn Stute geritten wird).
    Wir schauen aber sehr genau hin WER unsere Kleinen kauft !!
    Also muss ich dir doch ein bissl widersprechen. Doch, bei uns kann man solche Ponys kaufen. Allerdings nicht fertig ausgebildet, denn sie finden meist schon Bis 2 jährig ihren neuen Menschen.
    Fertig ausgebildete gut gerittene brave Cobs …. die gibt es wahrlich kaum. Und wenn doch dann müssten sie mindestens 2000 mehr kosten als der gängige Marktpreise ist bzw die Käufer zahlen wollen. Aber das ist ein anderes Thema zu dem jeder Züchter einen dicken Kommentar schreiben könnte.
    Zu hoffen bleibt dass die wenigen die mit gutem Beispiel voran gehen, Schule machen und die Welsh Zucht nicht nur dick gefütterte Schauhampeler sondern auch reell geritten Familien- und Sportponys hervorbringt.
    Danke dir nochmal für den netten Vormittag.
    Corina

    1. Liebe Corinna, danke für Deinen Kommentar und danke auch sehr für Deinen netten Besuch – hier – ans Ende der Welt 😉 kommt man nicht so eben! Bei Dir ist die Situation eine andere und ich glaube bestimmt, daß Deine Fohlen und Jungpferde bestens vorbereitet in ihr neues Leben starten!
      Ich kann ja auch nicht für andere Leute sprechen – wenn sich Menschen ausgebildete Pferde kaufen, dann kaufen sie ein Pferd und dann haben sie vielleicht auch viel Zeit und Lust, um das Pferd kennenzulernen und sich mit manchen Angewohnheiten zu arrangieren und das Pferd vielleicht weiter auszubilden oder zu therapieren. Sie sind dann auch hauptsächlich für sich und das Pferd verantwortlich. Wir haben gegenüber den Ferienkindern und den Reitkindern, die zu uns kommen (und natürlich den Eltern, die uns ihr Allerliebstes, ihr Kind , anvertrauen) eine so große Verantwortung. Wenn wir Pferde zukaufen, was ja auch ab und an geschieht, dann kaufen wir sie auch als Absetzer zu oder zumindest ungeritten und bilden sie selbst aus. Diesen Ponys fehlt allerdings dann auch das „Fohlenwissen“ und das merken wir auch und die Ausbildung dauert entsprechend länger!

      1. Liebe Gudrun, das habe ich zum Glück noch nie gemacht und daher keine Erfahrung damit. Zugekaufte Absetzer, denen das Fohlenwissen fehlt kenne ich daher nicht, aber ich habe schon oft gehört, dass das häufig vorkommt und das macht bestimmt viel Arbeit und ist nur was für Leute mit viel Zeit. Jedenfalls war ich begeistert von deinen Cobs, habe selten so typvolle Ponys hier in D gesehen und hoffe dich bald bei uns begrüßen zu dürfen.

  2. Hallo Gurdrun,
    das ist sehr schön zu lesen. Wünschte mir, dass alle Reitbetriebe so mit Ihren Pferden und Ponys in der Praxis umgehen.

    Liebe Grüße
    Ilona

    1. Liebe Ilona, danke für Deinen Kommentar. Vielen Betrieben ist es gar nicht möglich, zu züchten. Das Züchten und Aufziehen, das wird auch noch ein Artikel für sich werden. Denn die Voraussetzungen müssen einfach gegeben sein – die wichtigste Voraussetzung ist der Platz – auf der Weide und im Stall – und das Fachwissen – es muß dazu auch die Lust vorhanden sein, wenn man 4 oder 5 Fohlen hat, allen diesen Fohlen das Fohlen ABC beizubringen und alleine all diese 16 oder 20 Hüfchen hochzuheben! Wir können jedenfalls für uns sagen, daß wir überwiegend gesunde Ponys haben und die Ponys bei uns glücklich sind – und dann sind es die kleinen und größeren Reiter und Reiterinnen auch.
      Liebe Grüße ins ferne Hessen und hoffentlich bis bald mal! Komm doch mal Deine von uns so geliebte „Dottla von der Kinnwies“ bei uns besuchen und ihre tolle Tochter „Aenna vom Seaside Ponyland“ !

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