Wo ist die weiße Hose???

Jedes Jahr im Sommer – und das schon den 33. Sommer – gibt es auf dem Ponyland Norddeich die „Fohlenregistrierung“.

Das macht unser Zuchtverband, das Pferdestammbuch Schleswig-Holstein/Hamburg. Das Pferdestammbuch ist sozusagen das „Standesamt“ für viele, viele Pferde- und Ponyrassen in Schleswig-Holstein. Denn jedes Pferd und Pony benötigt einen „Pferdepass“, um damit eindeutig identifiziert werden zu können! In dem Pferdepaß stehen alle wichtigen Sachen: die Rasse des Pferdes/Ponys, die Farbe, die Abzeichen, das Geschlecht und natürlich die Eltern – wenn die Eltern bekannt und registriert sind.

Will man also züchten, braucht man eine Stute und einen Hengst. Und dann müssen die beiden „heiraten“. Und das muß von Erfolg gekrönt sein. Die Stute wird tragend, bleibt tragend, bekommt ein gesundes Fohlen. Das ist ganz oft so, aber es ist nicht selbstverständlich – es ist immer wieder ein kleines Wunder und eine große Freude.  Die Stute ist in der Regel schon eingetragen beim Pferdestammbuch (also beurteilt und bewertet und alle Daten erfaßt).

Wenn das Fohlen geboren ist, schickt der Züchter die Deckkarte zum Pferdestammbuch, auf dieser Karte hat der Hengstbesitzer  die Deckdaten der Stute vermerkt, der/die Stutenbesitzer/in hat dann ausgefüllt, wann das Fohlen geboren wurde und welches Geschlecht  und Farbe es hat.

Aufgrund dieser „Fohlenmeldung“ bekommt der Züchter nun die Bestätigung der Fohlenmeldung.  Das ist ein Din A 4 Blatt.  Auf diesem Schein sind bereits die Namen und Daten von Mutter- und Vatertier vermerkt. Platz ist dann für den Namen des Fohlens. Schön ist es auch, wenn der Züchter/die Züchterin (wir wollen hier ja gendern…. oder so..) schon mit einem roten Kugelschreiber die Abzeichen des Fohlens eingetragen hat auf dem aufgedruckten Bild – weiße Abzeichen müssen in der Graphik rot eingezeichnet sein- die Blesse, oder Stern oder Schnippe und die weißen Beine. Fleischfarbene Abzeichen werden ebenfalls rot eingezeichnet, aber ausgemalt.  Wenn ein Pferd/Pony gar keine Abzeichen besitzt (z.B. nur braun oder schwarz oder fuchsfarben ist), dann müssen die Haarwirbel unbedingt eingezeichnet werden und zwar mit einem schwarzen Kugelschreiber. Die Haarwirbel findet man am Kopf und am Körper.

Diesen Schein bringen der Züchter/die Züchterin zur Fohlenregistrierung mit.

Und nun gibt es für die Fohlen jedes Jahr ihren ersten Auftritt bei der Fohlenregistrierung.  Mit ihrer Mutter werden sie der Komission vorgestellt. Die Stute wird geführt und das Fohlen läuft frei. Die Stute wird parallel vor die Richter gestellt. Seit 1991 ist unsere Zuchtleiterin, Frau Dr. Jensen, dann gefragt: sie geht zum Fohlen und überprüft, ob die gemalten Abzeichen übereinstimmen mit den tatsächlichen Abzeichen.

Daraufhin schaut die Komission das Fohlen an: sieht es aus, wie ein Fohlen dieser Rasse aussehen soll? Ein Shettland-Ponyfohlen soll halt auch nach Shetty aussehen – ein Welsh Pony Fohlen soll wie ein Welsh aussehen….das ist dann der Rassetyp, der bewertet wird. Dann wird nach dem Geschlecht geschaut: sieht das Stutfohlen aus wie eine Stute und das Hengstfohlen wie ein Hengst? Im Idealfall ist das alles so, aber Fohlen sind ganz stark im Wachstum und verändern sich mal hierhin und dorthin und es ist immer eine Momentaufnahme – ein erster Eindruck.

 

Im Schritt geht es dann von den Richtern weg und die Richter können das Fohlen von hinten beurteilen, hier geht es um die Korrektheit – ganz vereinfacht: sind die Beine gerade? mit wenigen Ausnahmen von Gangpferden  ( da ist die Bewertung anders) möchte man gerne „korrekte“ Ponys und Pferde züchten. Denn das unterstützt die gute Bewegung und die Ponys „halten“ länger. Korrekte Beine haben oft eine korrekte Hufstellung und auch die Sehnen und Bänder halten gut und ermöglichen den Ponys eine gute Leistung. In der Regel und Ausnahmen bestätigen die Regel – wir haben auch alte Ponys, die nicht ganz so korrekt sind und trotzdem nicht lahmen und sich mit Freude bewegen.

Bei dem Weg zurück zu den Richtern können die Richter dann die Korrektheit der Vorderbeine anschauen. Und danach gibt es eine oder zwei Trabrunden. Da ist es natürlich wichtig, daß die kleinen Fohlen nicht bloß Unsinn im Kopf haben, sondern sich gut zeigen, das heißt, mit schönen Bewegungen traben und nicht nur bockend herumsausen. Den Galopp zeigen sie ja schon immer gerne von alleine.

Und dann – und dann – und dann….schaut die Komission und rechnet und die Entscheidung fällt: Fohlenprämie ja oder nein! Es ist ja nicht so, daß die Fohlenprämie das Maß aller Dinge ist, wie gesagt, es ist eine Momentaufnahme und auch Fohlen haben mal nicht so gute Tage – den Züchter/die Züchterin freut es trotzdem über alle Maßen, wenn die begehrte Plakette  verliehen wird. Es heißt dann ja: das Fohlen wurde heute überdurchschnittlich gut bewertet!

Hengstfohlen werden etwas strenger bewertet als Stutfohlen – sie erhalten die Prämie, wenn sie in allen 4 Noten zusammengerechnet eine 7,5 im Schnitt haben. Bei den Stutfohlen ist man etwas großzügiger, da „genügt“ eine 7,0 um die Prämie zu bekommen.

Nach dieser Aufnahme erhält der Züchter einen Zettel mit der Benotung und es geht zum „Chippen“. Dem Fohlen wird ein Chip in den Hals gesetzt, so, wie es bei Hunden und Katzen auch gemacht wird. Das ist EU-Gesetz – ich finde es nicht schön für das Fohlen, aber es muß sein – so kann das Pony jederzeit mithilfe eines Lesegerätes identifiziert werden.

Zum Chippen werden die Fohlen dann mit der Mutter in eine  Box gebracht und in der Regel sitzt der Chip im Hals, bevor das Fohlen es überhaupt merkt. Danach kommt eine Salbe auf die Stelle, an der die Nadel in den Hals geführt wurde , der Chip wird mit dem Lesegerät ausgelesen und ein Aufkleber mit dem Code wird auf den Bewertungsbogen geklebt – die Nummer des Pferdes ist dann natürlich auch im Pferdepaß vermerkt.

Der Pferdepaß wird nach der Fohlenregistrierung ausgestellt und den Züchtern zugeschickt. Dieser Paß verbleibt bei dem Pony/Pferd und wird auch mitgenommen, wenn man mit dem Pony auf eine Ausstellung geht oder aufs Turnier.

Das Fohlen erhält dann noch eine Eigentumsurkunde, die bleibt zuhause im Ordner und sollte das Pony vekauft werden, bekommt der neue Besitzer nach vollständiger Bezahlung auch diese Urkunde. Sie beweist: das Pony gehört mir!

So war alles auch dieses Jahr, das 33. Jahr in Folge, auf dem Ponyland! Wir hatten selbst 5 Fohlen zur Registierung und es hatten sich einige andere Züchter angemeldet, wie viele kommen, weiß man vorher nicht.  Einige melden sich an, andere nicht. Das macht auch nichts.

Bevor dieses wichtige Ereignis losgeht, ist Vorbereitung angesagt.

Wir haben den trockensten Sommer  hier oben, seit wir uns erinnern können (also 33 Jahre) , seit April hat es genau 1 x geregnet – alles ist trocken, trocken, trocken. Wir genießen mit unseren Ferienkindern wahrhaft mittelmeerähnliche Bedingungen, die Sonne lacht, der Himmel ist blau und wir schwitzen oft!  Der Reitplatz ist auch trocken, längst hilft nicht mehr der Rasensprenger, er müßte tags und nachts laufen….und damit der gute Wattensand, den wir auf dem Platz haben, nicht wegweht und damit Ponys und Kinder und Reitlehrer/innen nicht einstauben und husten müssen, bewässern wir. Zuerst haben wir das mit dem Güllewagen gemacht und das Wasser aus dem Teich gepumpt, mittlerweile haben wir Feuerwehrschläuche und eine Pumpe und so pumpen wir aus unseren beiden Teichen Wasser auf den Platz in einem dicken Strahl. (Nachsatz – nun, 3 Wochen später, sind unsere Teiche schon sehr niederig, mittlerweile müssen wir das kostbare Trinkwasser nehmen zur Bewässerung).

Am Sonntag morgen haben wir bewässert und am Sonntag abend, also gestern abend, wieder. Richtig patschnaß war der Platz. Danach habe ich den Platz mit einer Maschine noch eingeebnet, unsere Helferinnen haben fleißig geharkt und so war der Platz schon  prima. Unsere Ferienkinder haben uns geholfen, Bänke an den Reitplatz zu stellen, so konnten alle schön im Schatten sitzen und zuschauen. Am Abend habe ich dann den von den Kindern geliebten Kiosverkauf gemacht, während Pia die Stuten und Fohlen gewaschen hat, viele Ferienkinder haben geholfen – sie haben eine „Kinderkette“ gebildet im Hof, so daß die Fohlen nicht ausbüxen konnten und haben zum Teil auch mitgeholfen beim Mähne und Schweif verlesen und schrubben. Daß alle naß wurden, hat so gar nichts ausgemacht – beim Pferdewaschen wird man immer naß und die Fohlen und Stuten sind sauber und die „Wäscher“ sind dreckig und duften nach Pferd…bei 25 Grad macht das alles nichts!

Ich habe dann drei Blumenkästen mit schönen Blumen bepflanzt und heute morgen um 7 Uhr haben unsere tolle Helfercrew und  Pia und ich uns draußen getroffen – Stangen wurden auf den Platz gelegt, Tische hingestellt – in der Reithalle, für Wasser, belegte Brötchen und Kaffee- draußen auf dem Reitplatz für die Komission, die ja ihre Unterlagen auch irgendwo hinlegen möchte.

Alles ist fertig – ich sitze um 8 Uhr beim Frühstück – um 9 Uhr soll das Fohlenregistrieren beginnen – 8,15 Uhr fährt schon das erste Auto mit Pferdeanhänger auf den Hof. Jetzt muß ich mich nur noch umziehen. Nur noch!! wo ist die weiße Hose???

Damit alles schön aussieht, sollen auch die Vorführer schön aussehen, dazu gehört bei unserem Zuchtverband die weiße Hose. Weiße Hosen sehen toll aus und weiße Hosen erlauben, daß man das Pferd an der Hand gut betrachten kann, viel besser, als bei einer dunklen Hose. Dunkles Pferd vor dunkler Hose – ist ja klar – die weiße Hose ist besser. Dazu noch von unserem Zuchtverband das passende Poloshirt – für das Sweatshirt ist es viel zu warm.

Ach du je, ich habe natürlich eine weiße Hose.. Sie liegt  im Wäschekorb. Wir haben einen Ponyhof, da trägt man eigentlich nie eine weiße Hose – die weiße Hose ziehe ich immer für die Pferdeschauen an – aber vor einer Woche war Elitestutenschau in Padenstedt, dort waren wir mit einer selbstgezogenen Stute – und natürlich hatte ich da die weiße Hose an – und sie sind  nicht gewaschen. So ein Mist. Und ein Kaffeefleck ist auch noch drauf.  Das Polohemd ist auch verschwitzt und schmuddelig.

Also gut – Selbstbewußtsein zeigen und die verfleckte Hose anziehen! Kann ja niemand ahnen, daß der Kaffeefleck 9 Tage alt ist. Könnte ja auch heute morgen passiert sein. Ein Ponyland Polohemd an und los geht es.

Ponyland Norddeich Fohlenregistrierung Ponyland Catryn Ponyland Louis Pferdestammbuch SH
Fohlenregistrierung auf dem Ponyland Norddeich: hier begutachtet Frau Dr. Jensen unseren Ponyland Louis – von Leybucht Leandro aus der Ponyland Catryn, Welsh A Hengstfohlen. Er hat nur Quatsch im Kopf – seine Mama nimmt es gelassen.

Alles läuft super, 15 Stuten kommen mit ihren Fohlen und ich habe in 33 Jahren wirklich noch nie!!! so viele, so gute Fohlen gesehen. Und das fand die Komission auch: alle prämiert!! Ein Islandfohlen, mehrere Reitponyfohlen, ein Shettlandponyfohlen (Niedlichkeitsfaktor: unermeßlich – herzlichen Glückwunsch, Gesa!) und immerhin 7 Welshponyfohlen. Alle prämiert!!! Alle haben sich super gezeigt! Herzlichen Glückwunsch überhaupt allen Züchtern, die bei uns waren! Und von uns wurden prämiert: zuerst: Ponyland Bamika, Welsh A  Stutfohlen, von Ponyland Yakari aus der HS Blue Polly, Ponyland Louis, Welsh A Hengstfohlen, von Leybuchts Leandro aus der Ponyland Catryn, Welsh A Stutfohlen Ponyland Meghan von Ponyland Yakari aus der Mona Lisa (eigentlich hieß Meghan zuerst Ponyland Mandy Ann, aber dann kam die Hochzeit in England und wir beschlossen, sie fortan Meghan zu nennen). Es wurde auch prämiert Ponyland Yorrick, Welsh C Hengstfohlen von York (Welsh A Hengst) aus der Ponyland Penny Lane, Welsh Cob Stute. Und zuletzt: unser einziges Cob Fohlen für dieses Jahr: Ponyland Sambia von dem großartigen Millstone Carleon aus der Ponyland Sunshine (bereits die Mutter, die Großmutter und die Urgroßmutter von Sambia sind auf dem Ponyland geboren!), auch Sambia erhält die Fohlenprämie.

Die Registrierung ist vorbei – wir räumen den Reitplatz frei von Stangen und Blumen, mittlerweile haben unsere Ferienkinder zusammen mit den Helferinnen die Ponys von den Weiden geholt – der Tag nimmt seinen Lauf  – Pia und ich, die Weißbehosten, gehen ins Haus, ziehen uns alltagstauglich um und dann wird als erste Tat die weiße Hose eingeweicht und gewaschen! Denn der nächste Event ist mit der Fohlenprämie schon in Sicht: das Fohlenchampionat in Bad Segeberg! Und da muß die weiße Hose wieder mit!

geschrieben am 16.Juli 2018 – ergänzt und bebildert  und online gestellt am 7. August 2018

 

Gudrun Wieczorek, Seniorchefin vom Ponyland Norddeich

Dipl. Agr. Ing. (FH) und Pferdewirtschaftsmeisterin und Trainerin B /Dressur und leidenschaftliche Ponyzüchterin

 

Ein Gedanke zu „Wo ist die weiße Hose???“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.